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mit dem großen Löffel

Precht: Macht fehlender Diskurs dumm?

Ich bin spät dran, aber vor einigen Tagen habe ich endlich die erste Folge der ZDF-Serie Precht (Hauptdarsteller: Richard David Precht gesehen. Provokanter Titel: “Macht Lernen Dumm?”.

Geliefert wird eine Art zweistimmiger Monolog über den Wissensstand der Reformpädagogik (Precht und Hüther beklagen einstimmig den Stand der Unterrichtspraxis in Deutschland). Inhaltlich wird mehr oder weniger das wiedergegeben, was Neil PostmanKen Robinson, Sugata Mithra, Daniel Pink schreiben.

Ich finde es gut, dass Precht und Hüther die Ziele und Methodiken zeitgemäßer Pädagogik erläutern und sie so hoffentlich popularisieren. Für eine philosophische Runde scheint das Format dagegen ungeeignet (das ist auch der Zeit aufgefallen). Keine Widersprüche, keine Diskussion, keine Entwicklung neuer Ideen.

Gerade die für die Schulen geforderte Kreativität fehlt der Sendung. Tatsächlich ähnelt der zweistimmige Monolog mehr dem gescholtenen Frontalunterricht. Die Funktion “Mitreden”, die gerade in ein Diskurs-Format passen würde, bietet auch nur ein sehr altbackenes Web-Forum ohne Einfluss auf die Sendung.

Fazit

Dem Format würden mehr Kontroversen gut tun, um tatsächlich neue Ideen zu produzieren, wie es eine philosophische Runde verspricht. Handzahme Vorträge zu zweit werden dem nicht gerecht.

SonneMondRegen

In einer Woche ab nach Amerika, Praktikum. Eigentlich noch Dinge zu erledigen. Stattdessen über’s Wochenende nach Thüringen. Zum ersten Mal mit einem Wohnmobil. Dekadent! Die Hausdurchsuchung der Polizeit auf den Zufahrtstrassen passieren wir, ohne rausgewunken zu werden.

Der Camper steht schief am Hang, einen anderen Platz haben wir nicht mehr gekriegt. Sei’s drum! Es fängt an zu regnen…

schlammWir Anfänger: Natürlich keine Gummistiefel dabei. Bisher immer Glück gehabt. Der Rest der Welt hat natürlich welche. Schreckliche Farben und Muster, die kein Clubtür passieren würden. Aber hier ist ja Festival. Wir waten durch den knöcheltiefen Schlamm… Wenigstens die Tanzflächen sind mit großen Platten ausgelegt. Fanta 4, die Chemical Brothers, 2Raumwohnung, Paul van Dyk, alle entschädigen sie für den zwar schwachen aber trotzdem das Gelände in eine Schlammwüste verwandelnden Regen.

Und dann der Sonnenaufgang über dem See!sonne

Den verregneten Nachmittag im trockenen, warmen Camper mit Pokern verbracht. An den Regen hat man sich gewöhnt. Die zweite Nacht ist ebenfalls großartig.

Erschöpft machen wir uns Sonntag auf den Heimweg. Fast! Der Camper ist eingesunken und lässt sich nicht mehr bewegen. Die freundlichen Herren in Gelb, die wohlweisslich sogar schom mit einem Schlepper auf dem Festival vertreten sind schaffen es unter hoher Beanspruchung der Kupplung zumindest das Gefährt zu bewegen, mitnichten aber auf einen festen Untergrund zu befördern.schlepper

Das allgemeine Chaos bei der Abreise rief die ortsansässigen Bauern auf den Plan, die sofort ein passendes Geschäftmodell hatten: 5 Euro für einmal abschleppen mit dem großen Traktor. Die Nachfrage war erwartungsgemäß groß. Immer hinten anstellen.

Sonntag abend: verspätet, erschöpft, glücklich, SonneMondSterne 2007 gesehen. Gerne wieder!

Die Moral: Thüringer Bauern schauen dem Wegfall der EU-Agrar-Subventionen gelassen entgegen. Die verdingen sich dann als Abschleppdienst für verpeilte Städter.schuhe

Abgeordnetenanschreiben zur Internetzensur

Gerade noch ein kurzes Anschreiben an die MdBs aus meinem Wahlkreis verfasst und ich poste das mal hier zum Ideenklauen. Zeigt euren Politikern (ja, es sind eure Politiker), dass ihr mit den aktuellen Entwicklungen nicht einverstanden seid. Und nein, twittern reicht nicht für die Internetausdrucker…

Update: Hier gibt es die Liste von Abgeordneten nach Wahlkreis.

Sehr geehrte(r) Herr/Frau XXX,

ich bin ein Berliner Bürger und Bewohner Ihres Wahlkreises.
Mit großer Sorge betrachte ich die momentane Diskussion um die momentan noch freiwillige, bald aber wohl verpflichtende Zensur von Internetseiten im Zeichen der Bekämpfung von Kinderpornographie. Dieses Vorhaben hilft leider nicht gegen die Herstellung von Kinderpornographie, sondern ermöglicht es, diese auszublenden und im Verborgenen weiter zu gedeihen. Gleichzeitig aber führt die technische Sperrung von Webseiten dazu, dass nicht technisch versierte Benutzer nur noch einen zensierten Zugriff auf das World Wide Web haben werden.

Dass sich in der Sperrliste nur Seiten befinden werden, die direkt Kinderponrographie beinhalten kann wegen der mangelnden Kontrolle nicht garantiert werden und ist angesichts der aktuellen Änderung der Beschlussvorlage für das Gesetz, in dem nicht mehr davon die Rede ist, dass die Seite auch tatsächlich kinderpornographisches Material enthalten muss, unglaubwürdig. Hier besteht die Gefahr, dass weitere “unliebsame” Seiten unzugänglich werden, was mit meinen demokratischen Grundverständnis nicht vereinbar ist.

Problematischerweise werden gerade die Personen unter der Zensur leiden, die keine umfassenden technischen Kenntnisse haben um die Sperrmechanismen zu umgehen. Technisch versierte Benutzer und Menschen, die ein erhöhtes Interesse haben, diese Sperrmechanismen zu umgehen, können dies ohne Weiteres tun. Dadurch wird ein Informationsnachteil für Laien etabliert, der nicht mit demokratischen Prinzipien vereinbar ist.

Die Regelungen für eine effektive Strafverfolgung rechtswidriger Inhalte ist bisher schon gegeben und bedarf keiner Zensurmaßnahmen. Wenn man die Adressen der Seiten hat, die rechtswidriges Material zur Verfügung stellen, kann man dies durch eine Mitteilung an den Betreiber der Seite entfernen lassen und im Falle einer absichtlichen Bereitstellung Strafmaßnahmen einleiten.

Mich würde Ihre Position zum Thema interessieren und hoffe, dass Sie zum gegebenen Zeitpunkt der Gesetzesvorlage in der jetzigen Form nicht zustimmen werden, da diese die Informationsfreiheit gefährdet und nur Zeichen politischen Aktionismus ist und somit in keiner Weise geeignet ist, Verbrechen wie die Herstellung von Kinderpornographie zu bekämpfen.

Mit freundlichen Grüßen,
Florian Thiel

Skanking on a winter’s night

Die wunderbaren Neuseeländer von Fat Freddy’s Drop waren gestern in der Columbiahalle. Und es hat sich gelohnt. Von pumpendem Elektro über Roots-Reggae bis zu sanften Klängen, dazu die grossartige Stimme von Joe Dukie. Alles hat gepasst.

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Alle acht Musiker sind technisch gut, die Songs grooven ohne Ende. Und offensichtlich hat Fat Freddy’s Drop das schönste und sinnlichste Publikum der Welt. Großartig!

betriebswirtschaftliches 1×1

Sollen sie doch sagen, dass sie Bochum dichtmachen, weil man in Rumänien mehr Gewinn machen kann (glauben sie zumindest). Aber dann den Leuten erzählen, die 130 Mio. seien doch kein Gewinn sondern nur so ein Wert, den man der Steuer wegen angeben muss. Und ausserdem mache man ja gar keinen Gewinn in Bochum. Dort würden Telefone nur hergestellt, nicht verkauft (heute-journal vom 30.1.).

Nokia macht sich anscheinend lieber über ihre ehemaligen Mitarbeiter lustig anstatt ihre Interpretation des Kapitalismus zu erklären.

A****löcher!

Samstagnachmittag

Der erste entspannte Samstagnachmittag zu Hause seit Wochen. Und gute Nachrichten wohin man schaut:

  • Der Rechtsausschuss empfiehlt dem Bundestag, die Nutzung der hart errungenen Vorratsdaten auch für die Rechteindustrie zu gestatten. Es kann ja nicht angehen, dass man die Daten, wenn man sie einmal hat, nicht auch für alle guten Zwecke verwenden kann. Da winkt sogar ein ganz neues Geschäftsmodell: Man extrahiert Interessenprofile aus den Daten, die man sowieso erhebt und verkauft diese, um zielgerichtete Werbung zu ermöglichen (“Menschen, die ähnliche Filme wie sie illegal heruntergeladen haben, kauften auch folgende Gegenstände:”). Jonny, der Berufsskeptiker will das alles natürlich nicht wahr haben.
  • Die Öffentlich-rechtlichen glänzen mit guter Recherche und einem Auge für die wirklichen Probleme des Landes: Killerspiele
  • Der gelbe Schwamm liefert gute und gewaltfreie Unterhaltung für Kinder jeden Alters.
  • David Lynch plant eine “Friedens-Uni” in Berlin. Auf dem Teufelsberg!
  • Die Linke erkennt das wirkliche Problem: Wissen und freie Meinungsäusserung
  • Wie man das Web verbessert! (Text hinter der slides-only Version)
  • Die Sensation zum Schluss: Nie wieder Depressionen wegen vergangenen Fehlern: Effektive Geschichtsrevision!

The world is round

Freitag morgen ging es nun also auf zu neuen Ufern. Scandinavian Airlines sollte mich sicher nach New York bringen. Erst nach Kopenhagen (1h), dann nach Newark (8 1/2h). Die kleine Propellermaschine, die mich am Flughafen Tegel erwartet, macht Mut. So muss das ja klappen! Mit einer halben Stunde Verspätung erreiche ich Kopenhagen. Es ist kalt und schüttet. Die nette Frau am Schalter des Anschlussfluges braucht die genaue Adresse und Telefonnummer meiner Unterbringung. Davon war bisher nie die Rede. Die halbe Stunde Flughafen-WLAN, die man kaufen muss, kann man wenigstens noch zum Mail lesen nutzen.

Der Flieger von Kopenhagen boardet pünktlich, hebt aber erst mit 40 min Verspätung ab. Beinfreiheit ist nicht gegeben. Dafür gibt’s (ich bin da anspruchsarm) gutes Essen (erst Snacks, dann irgendwann Hauptgericht, kurz vor der Landung noch mal Sandwiches; zwischendurch ständig Getränke). Die Bordunterhaltung ist mässig. B-Movies in Endlosschleife, Spiele und Musik. Eine witzige Idee ist nach-unten und nach-vorne Kamera, die aber 90% der Flugzeit nur eine Blau-Weiss Gemisch zeigt.

Mit insgesamt einer Stunde dann endlich angekommen in Newark. Das Gefühl, die eigene Schlange ist die langsamste. Außerdem wartet doch ein Kollege darauf, mich abzuholen. Nach einer dreiviertel Stunde endlich offiziell in Amerika angekommen. Meine Koffer erscheinen nicht auf dem Förderband. Anflüge von Panik!

Die Dame, die sich nach einer halben Stunde die immer nach auf das Gepäck wartenden Fluggäste kümmern soll, ist schnell von einer Horde schnell sprechender, wild gestikulierender Menschen umringt. Sie versucht, die Massen zu beruhigen. Für mein Gepäck liegt schon ein Zettel vor, die seien nicht an Bord gewesen. Die kämen abends mit dem nächsten Flieger nach und würden dann direkt ins Hotel geschickt. Ich nehme den Zettel, sehr skeptisch, ob es sich nicht um leere Versprechungen handelt.

Zum Schluss noch durch den Zoll. Ich habe nur noch einen kleinen Rucksack, die Prozedur dauert 30 Sekunden. Draussen angekommen wartet mein neuer Kollege tatsächlich noch, obwohl ich mittlerweile zwei Stunden verspätet bin. Erleichterung!

Auf dem Weg zum Hotel wollten wir bei der Autovermietung Halt machen. Der Stau der anklingenden Rush-Hour sorgt dafür, dass wir diese nicht mehr rechtzeitig erreichen. Dafür werde ich während der Fahrt erstmal betreffs der Region und allem, was mich erwartet, ins Bild gesetzt.

Im Hotel angekommen freue ich mich über ein großes, geräumiges Zimmer mit einem Doppelbett und Couch. Die geplante Barbecue-Party fällt des schlechten Wetters wegen ins Wasser. Mein Versuche, noch etwas zu Essen zu organisieren scheitern daran, dass ich zu feige bin, in der Dunkelheit eine Meile auf stark befahrenen Strassen zu laufen. Todmüde schlafe ich nach Daily Show und Colbert Report ein.